Ist ein raschelndes iPad die Zukunft?

Die Frankfurter Buchmesse 2010 wagt den Sprung ins Ungewisse und pirscht sich langsam über Buchbesprechungen zur angeblichen digitalen Literaturrevolution.

Computerfreaks aufgepasst: Das Buch lebt immer noch!

Seit mehr als 300 Jahren drapieren Verleger und Autoren ihre Bücher auf der Frankfurter Buchmesse.

Neugierige Leseratten bevölkern das Messegelände und gehen auf Tüten- und Souvenirjagd. Die Arme werden ganz schwer vom vielen Tragen der kleinen und großen Werbebotschaften. Wer auch noch etwas Handfestes für Zuhause haben möchte, kann von fast jedem Zeitungsverlag Probeabo bestellen. Das Überquellen des Briefkastens ist in jedem Fall für die nächsten Wochen gesichert.

Wieso ist es eigentlich nicht das Mailpostfach? Auf diese Frage wissen Zeitungsverlage bis jetzt noch keine Antwort und drucken lieber fleißig Altpapier aus.

Für schlappe 14 € tummeln sich die Besucher in 6 Hallen und man könnte doch meinen, dass man sich über Neuerscheinungen und interessante Literatur informieren kann.

Dem ist auch so, jedoch wird man wird erschlagen von den vielen Angeboten und muss sich zunächst einen Überblick verschaffen.

Hier der Tipp nicht den Versuch zu starten alle Hallen sehen zu wollen, sondern sich nur einzelne Sektionen in Hallen aussuchen und gemütlich flanieren.

Es ist als Buchmesseanfänger nicht einfach, sich auf einzelne Stände zu konzentrieren, denn es verhält sich so wie mit der Kunst. Man sieht nur das, was man kennt.

Die Masse macht nicht die Klasse aus. Der Besucher muss sich auf das Bucherlebnis einlassen und sich Zeit zum Schmöckern nehmen. Einige Messestände laden ein, sich in Ruhe hinzusetzen und ein Buch aus den Regalen zu nehmen. Kaffee und Buch passt in jedem Fall zusammen, sodass eine Tasse zum gratis Probeabo an jeder Ecke dazu gehört.

Bunte Tupfer und ein Potenzial für Aufmerksamkeit schafft nur eine Gruppe von jungen Menschen. Comicbegeisterte Mangafans sehen die Buchmesse als Ort der Selbstdarstellung. Zu sehen sind die wildesten Kostüme, um den Mangahelden ein Stück näher zu kommen. Dies zeigt auch, dass die Jugend sich mit „Büchern“ identifiziert und nicht in die Versenkung der digitalen Welt abrutscht.

Bei so vielen Büchern, muss es doch eine Errungenschaft aus den Bücherstapeln schaffen?

Das E-Book und die E-Reader sind ja die Zukunft, von der aber auf dieser Messe sehr wenig zu sehen war. Bedeutet dies also, dass IPads noch gar nicht in der Gegenwart angekommen sind? Der Eindruck entsteht, dass Menschen immer noch lieber etwas in den Händen halten wollen. Es muss rascheln und knistern. Wie sollte denn ein E-Book Kaffeeflecken simulieren oder wie macht man ein Eselsohr in die Seite?

Der E-Reader kann nicht die Haptik eines echten Buches nachempfinden. Das Buch bleibt also dem Anschein nach bis auf weiteres ein wichtiger Bestandteil der Verlagsbranche.

Ach, was ist denn mit dem Gastland?

Das argentinische Literaturherz wird in einem Showroom mit Lichteffekten und Großleinwänden gezeigt. Der feurige Funken springt beim Besucher nicht gleich über, weil der Input über Argentinien durch großformatige Bilder nicht größer geworden ist.

Es wird viel Literatur ausgestellt, jedoch ist es auch hier schwer, ein gutes Buch unter vielen für sich ausfindig zu machen.

Die Vorstellung des Gastlandes hat aber auch in diesem Jahr seinen Zweck erfüllt. Es wird von und über die Buchmesse berichtet und weckt das Interesse der Besucher. Wahrscheinlich wird der eine oder andere in nächster Zeit das Werk eines argentinischen Literaten kaufen oder sogar von einer Reise nach Argentinien träumen.

Also, liebe Bücherwürmer und Leseratten, ihr seid herzlich zur nächsten Buchmesse 2011 eingeladen.

Ein Blick über den Computerrand hat nämlich noch nie jemandem geschadet.


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