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Transmediale11 – Ein Erlebnisbericht

Wo sich andere mit der Verbindung zwischen verschiedensten Medien brüsten, kann man die Transmediale schlichtweg beim Wort nehmen. Denn die Überschneidung von Web, Installation, Musik und Video ist so verworren, dass diese Mischung so homogen wirkt, als sei sie nie getrennt gewesen.

Man nehme als Beispiel die Dortmunder E-culture Fair, die sich mit Bedauern, selbst im Kulturhauptstadtjahr 2010 nicht neben der Transmediale behaupten konnte. Nicht dass es einen Wettbewerb gäbe, doch anscheinend gibt es eine Wirkung auf die Hochkulturverbissenheit anderer Festivals anderer Städte. Und eben das lässt die Transmediale als sehr frisches, aufmerksames Festival erscheinen.

Als Headquarter diente das Haus der Kulturen der Welt. Ein imposanter Bau, der wie gemacht für die Integration der verschiedenen Installationen und Performances wirkt. Dort konnte man im Foyer eigenständig, auch ohne Eintritt, kleinere Projekte bestaunen und erfahren.

Zu den unterhaltsamsten Arbeiten zählte wohl das Stück ‚Mirror Piece‘ von Marnix de Nijs. Dieser Spiegel scannt das Gesicht, der davor stehenden Person, auf Gemeinsamkeiten mit denen in der Software gespeicherten und durchweg kontroversen Persönlichkeiten. So wird man in kürzester Zeit zu einem polymorph perversen Koch, der durch einen selbstverursachten Schuss ins Gesicht ums Leben kam, zugeordnet und kann so seinen Begleitern den gesamten Abend als Running Gag dienen.

Andere Arbeiten beschäftigten sich hingegen mit etwas ernsthafteren Themen wie zum Beispiel den umstrittenen Copyright Gesetzen oder der Interaktion Mensch und Maschine. Um die weiteren Räume des Komplexes betreten zu dürfen, benötigte man nun allerdings eine erworbene Karte. Hauptsächlich wurden dort nicht minder interessante Performances vorgestellt, neben einigen wenigen Vorträgen. Darunter auch die audiovisuelle Arbeit von Ei Wada, der durch das Berühren von Röhrenfernsehern verschiedene Frequenzen erklingen lies und dadurch primär rhythmische, experimentelle Soundscapes ablieferte.

Bei den Videoscreenings musste man allerdings ein paar Magenhiebe einstecken. Besonders die Begebenheit des Saals war für viele Filme, wenn nicht alle, schlechter als ungünstig. Der Raum, der wohl eigentlich ein Auditorium ist, diente somit eher der Ansicht verschiedener Hinterköpfe, welche die meistens sehr wichtigen Untertitel verdeckten.

Man begnügte sich also damit die Reste der ovalen Aussparungen zu sehen, wenn man nicht das Glück hatte, ein, zwei leere Reihen vor sich zu haben. Doch das was man dann sah, überzeugte gänzlich. Natürlich war das Angebot an Screenings ein anderes als das, der etablierten Kurzfilmfestivals, aber eben das ist und will die Transmediale auch nicht sein.

Schließlich gab es noch eine Endzahl diverser Workshops, Performances, Installationen und Konzerten zu begutachten, welche in ganz Berlin verteilt waren. Vornehmlich dienten letztere der Abendunterhaltung und machten es des Öfteren schwer zeitig in die Federn zu fallen, um die ersten Angebote des folgenden Tags wahrzunehmen. Zwischen mindestens drei Locations musste sich dann der Transmediale 11 Besucher entscheiden. Und in den meisten Nächten waren es sogar noch einige mehr. Die bestbesuchtesten Clubs hatten Namen wie Festsaal Kreuzberg, Maria oder Berghain, die mit unzähligen Acts bestückt waren und daher auch ebenso viele Musikgeschmäcker bedienten. Doch besonders Dorian Concept stach zwischen den vielen hochkarätigen Artists wie Goldpanda, the Field oder Modeselektor hervor. Und so zeigte der Transmediale Club dieselbe freshness und das gleiche Gespür für zeitgenössische Künste wie die Transmediale selbst.

Alles in allem ein Festival zum Entdecken mit enorm vielen Facetten. Ein Muss für alle Physiklehrer und Liebhaber digitaler, zeitgenössischer Arbeiten. Freuen wir uns auf die 12. Ausgabe der Transmediale.

Von uns vielen Dank, lieber Chris, für das Aufschreiben deiner Eindrücke.

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