STAND DER DINGE: cimdata–DozentenInnen Daniel Graefen und Elisabeth Hronek gründen einen Verlag. Ihre Erstveröffentlichung zeigt fotografische Momentaufnahmen aus dem alten und neuen Osteuropa.

Kreativ, vielseitig und kompetent. Dass diese Beschreibung auf viele unserer cimdata-DozentInnen zutrifft, beweist – nicht zuletzt – das jüngste Projekt von Daniel Graefen und Elisabeth Hronek.

Neben Ihrer DozentenInnentätigkeit in der Berufs- und Weiterbildung u.a. bei cimdata (Fachbereich: Mediengestaltung) arbeiten die ausgebildete Germanistin und Politikwissenschaftlerin mit Zusatzabschluss in Erwachsenenbildung sowie der Kunst- und Geografie-Lehrer als Webdesignerin und Fachbuchautor. Mit ihrem neuen Projekt, der Gründung des GRAEFEN und HRONEK Verlags, verbinden sie nicht nur ihre beruflichen Erfahrungen, sondern auch ihre persönlichen Interessen.

„Stand der Dinge“, die Erstveröffentlichung des in Berlin ansässigen Verlags, ist das Ergebnis einer gemeinsamen Leidenschaft: Auf zwei alten BMW-Motorrädern reisen Hronek und Graefen seit 2006 regelmäßig durch Osteuropa. Eine Auswahl der dort gewonnenen Eindrücke zeigt der 122 Seiten starke im Dezember 2012 erschienene Farbbildband.

Sachlich und zurückhaltend fängt Graefen die hier dargestellten fremden Landstriche ein. Als stiller Beobachter, aber auch als einer, der das Gesehene mitgestaltet. Dabei komponiert er jedes Detail seiner Fotografien. Nicht selten erinnert die dabei verfolgte Anschnitt-Technik an die des amerikanischen Malers Edward Hopper. Ein wenig amerikanische Nostalgie schwingt auch über die Motivauswahl mit. Die weitläufigen Straßenlandschaften lassen einen in Assoziationen schwelgen: Plötzlich ist man mittendrin im Traum von der großen Freiheit auf der Route 66.

Dass diese Landschaftspassagen sowie die immer wieder dargestellten vom Verfall geprägten Gebäude nicht nur als geographische, sondern auch als historische Landkarte gelesen werden können, beschreiben die AutorInnen im Vorwort zu ihrem Bildband. Auf der Reise in die Ukraine verschiebe sich die „gefühlte Grenze zwischen Ost- und West immer weiter: war Polen vor wenigen Jahren noch ein Land des Ostens, (er)scheint es uns heute wie ein typisches Land der EU. Erst mit dem Überfahren der Grenze zur Ukraine ist man schlagartig im Osten – selbst Rumänien und Bulgarien erscheinen schon relativ westlich, Tschechien und Ungarn sowieso.“ Die von Graefen per analoger Kleinbildkamera gemachten Fotografien werden so zu Spuren einer Reise und öffnen zugleich den Blick auf die vergangenen und gegenwärtigen Geschichte(n) Osteuropas.

Wo die osteuropäische Vergangenheit zu bröckeln beginnt, zeichnet sich die zunehmende Verwestlichung des Ostens als globaler Wandel ab. Auf sozialer Ebene spiegelt sich hier auch die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich wider. Nicht zuletzt eröffnet das Reisen in fremde Länder bei der Rückkehr in die Heimat auch immer die Chance, seine eigene Herkunft sowie das aktuelle Zeitgeschehen im eigenen Land zu re-flektieren. „Stand der Dinge“ ist ein wunderbares Plädoyer dafür, sich einen „naiven“ Blick auf die Dinge zu bewahren. Einfach großartig, bitte mehr davon.

Ein Artikel von: Christine Matschke

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