Susanne Schapppert pertxpert

cimdata – und danach?

Ein Gespräch mit unserer ehemaligen Absolventin Susanne Schappert.

Wohin kann dein Weg führen? Um das herauszufinden, habe ich mich auf die Suche nach ehemaligen cimdata-Absolventen gemacht und bin bei Susanne Schappert auf eine interessante Person gestoßen.

Sie ist studierte Bauingenieurin und hat anschließend am Theater als Bühnenbildnerin gearbeitet. Doch sie verließ das Theater, um in den Jahren 2001 und 2002 bei cimdata eine Weiterbildung zu machen und hat dort die Module Freehand, Photoshop, Flash, HTML und 3D-Max belegt. Inzwischen ist sie selbstständig mit ihrer Multimedia-Firma „pertxpert“, die hauptsächlich Webseiten erstellt. Sie hat mir über ihre Zeit bei cimdata, den Weg in die Selbstständigkeit und neue Herausforderungen im Beruf erzählt.


Was hat dich damals zu cimdata geführt?

Im Jahr 2000 habe ich mein letztes Bühnenbild gemacht. Bis dahin hatte ich noch nie am Computer gearbeitet. Das kam so, dass ich mal in der Amerika Gedenkbibliothek war um zu recherchieren und das in einem Kasten mit Karteikarten tun wollte. Dann kam jemand und sagte mir, ich solle doch an den Computer gehen. Das konnte ich gar nicht, aber es wurde mir dort ein wenig erklärt. Und dann hat es mich richtig gefetzt. In meinem Bauingenieursstudium habe ich programmieren gelernt. Das lief aber alles noch über Lochkarten. Mit Computern hatte ich bis dahin noch nie was zu tun.

Zu cimdata bin ich dann eigentlich nur gegangen, um im Alltag nicht völlig abgehängt zu werden. Ich dachte zu dem Zeitpunkt noch, dass ich Theater weiter machen möchte.

Und wie kam dann die Idee dich mit einer Multimedia Firma selbstständig zu machen?

Die kam gar nicht von mir!

Dafür muss ich erstmal auf cimdata zu sprechen kommen. Ich muss sagen, am Anfang hatte ich bei cimdata große Probleme. Ich wusste noch gar nicht, wie das am Computer alles geht. Mein erstes Modul war Freehand, das gibt es jetzt gar nicht mehr. Das zweite war Photoshop, da musste ich dann auch noch von einem Mac auf einen Computer umsteigen. Die anderen Leute im Modul waren Designer, die ihre Kenntnisse vertiefen wollten. Ich hatte keine Ahnung und habe dort sehr gelitten. (Lacht.) Nach andertalb Monaten habe ich mich krank gemeldet, ich war verzweifelt. Aber dann dachte ich, ich habe doch Abitur, das kann doch nicht wahr sein. Ich hatte einen kleinen geschenkten Computer. Und dann habe ich mein Photoshop-Buch genommen, mich hingesetzt und bin das Buch systematisch durchgegangen. Und dann hab ichs verstanden. Und dann bin ich wieder hingegangen, habe aber abends immer alles nachbereitet. Als das Photoshop Modul fertig war kam HTML, da fings an mir richtig Spaß zu machen. Danach kam dann Flash und das hat mich vom Hocker gehauen. Da habe ich zuhause wirklich stundenlang geübt. Später habe ich noch Director und Studio Max gemacht.

Und dann kam die Abschlussarbeit und es hieß, die werde unter Agenturbedingungen durchgeführt. Also habe ich mir ein Projekt ausgedacht und ein paar andere mit ins Boot geholt. Unser Projekt war ein Bewerbungsspiel als Computerspiel. Es hieß „Der Rote Ritter“ und war für Bewerber von großen Firmen gedacht. Es war so aufgebaut, dass in dem Spiel die Teamfähigkeit getestet wurde, die Lösungsorientierung oder die Kreativität geprüft wurde. Das Projekt wurde dann richtig groß. Ich habe eine Psychologin von der HU angesprochen, die dort für Eignungstests zuständig war. Sie hat parallel zu unserem Projekt einen Fragebogen erstellt, der auf die gleichen Sachen abzielte. 30 cimdata-Schüler haben dann das Spiel gespielt und anschließend den Test gemacht, was anschließend ausgewertet wurde. Dabei ist herausgekommen, dass das Spiel ziemlich gut ist.

Als das Projekt vorbei war, ist die Gruppe auseinander gefallen und ich habe sie leider nicht zusammen halten können. Cimdata hat sich allerdings wahnsinnig dafür eingesetzt, dass das Projekt bestehen bleibt, da bin ich ihnen echt dankbar. Sie haben eine Krisensitzung einberufen um das Projekt zu retten aber ich bin letztendlich ausgestiegen und die anderen haben das Projekt weitergeführt. Aber danach hat cimdata mir geraten mich selbstständig zu machen.

Und dann habe ich mit einer anderen Frau zusammen die Firma „pertxpert“ gegründet, um Webseiten mit Flash zu erstellen. Oben bei cimdata gab es damals noch eine Etage mit sechs Büros im Zusammenhang mit dem Arbeitsamt. Wir durften dort ein halbes Jahr lang zu Agenturbedingungen arbeiten und kriegten Rechner, Software, Telefon und Miete bezahlt, plus etwas Lebensunterhalt. Das halbe Jahr haben wir das gemacht und dann wurde das Gründerforum geschlossen.

Meine Kollegin ist nach 6 Monaten ausgestiegen und ich habe „pertxpert“ allein weiter geführt. Ich habe regelmäßig mit einem Flash-Programmierer zusammen gearbeitet. Und eine Designerin kam auch noch dazu. Wir drei bildeten dann den Kern der Firma. Aus dem Gründerforum mussten wir aber ja irgendwann raus – dann stellte sich die Frage: Wohin? Zunächst sind wir in meine Wohnung gezogen, später waren wir dann lange in Kreuzberg in einer Fabriketage. Ich habe immer gedacht, ich mache dieses Projekt so lange es geht – so lange Aufträge kommen und wir Spaß dran haben. Aber ich hatte keinen Plan für die nächsten zehn Jahre. Es gab reichlich Krisen, aber irgendwie hat sich die Firma doch bewährt. Mittlerweile seit 12 Jahren.

Was waren Höhepunkte und Krisen oder besondere Herausforderungen in der Firma?

Ein definitiver Höhepunkt war, dass wir mit unserer kleinen Firma den 1. Platz beim Wettbewerb für die Internetpräsenz des „Orden pour le Mérite für Wissenschaften und Künste“ gewonnen haben – den höchsten deutschen Wissenschaftspreis. Danach, als wir den Champagner ausgetrunken hatten, sagten die anderen „Wir gehen jetzt.“ Sie hatten das Gefühl, dass sie jetzt richtig top sind und die nächste Hürde für einen besseren Job nehmen können. Die Zeit danach war eine ziemliche Krise.

Was in den kommenden Jahren eine Herausforderung war, war der technische Wandel. Es gab dann auf einmal WordPress und all diese standardisierten Formen und Vorlagen. Ich hatte ja immer mit Flash gearbeitet.

In den letzten Jahren hat gerade die Social Media extrem zugenommen. Ich habe viele Stammkunden, die ich von Anfang an in der Erstellung ihrer Website begleitet habe. Jetzt bekomme ich von ihnen Anfragen, zum Beispiel eine Facebook Kampagne mit ihnen zu entwerfen. Und dieser Bereich der Vermarktung, der ist mir neu. Aber alle schreien im Moment danach. Es ist total wichtig, wie man etwas optisch interessant macht und damit beschäftige ich mich im Moment vermehrt und es macht mir riesigen Spaß.

Bereust du manchmal auch, dass du selbstständig bist?

Nein, gar nicht. Ich war eigentlich schon immer selbstständig. Ich habe ganze drei Jahre fest als Bühnenbild Assistentin am Theater gearbeitet. Sonst tatsächlich nur frei. Ich glaube ich kann das auch gar nicht – zumindest jetzt nicht mehr. (Lacht.)

Was ich leider nicht hinbekommen habe, ist eine Agentur mit festen Strukturen aufzubauen. Bis zu einem gewissen Grad ist die Firma gewachsen, das hat ganz gut geklappt.

Würdest du cimdata Teilnehmer/innen empfehlen sich selbstständig zu machen?

Das ist schwer zu sagen. Sagen wir es mal so: Viele Freiberufler, mit denen ich gearbeitet habe, waren nicht freiwillig freiberuflich. Aus verschiedenen Gründen waren sie nicht in Agenturen. Wenn du nicht wirklich freiberuflich sein willst, sondern nur, weil du keinen festen Job hast, dann würde ich sagen, dass es schwierig wird. Ein gewisser Freiheitswille muss glaube ich da sein.

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.