Auslandsaufenthalt

Neue Perspektiven – Ein Auslandsaufenthalt während der Berufsausbildung

Ob Denkmalpflegerin oder Mediengestalter, Industriekauffrau oder Anlagenmechaniker – während eines beruflichen Auslandspraktikums kann jeder neue Arbeitstechniken erlernen und seine interkulturellen Kompetenzen erweitern. Zudem verbessert ein absolviertes Auslandspraktikum auch später im Berufsleben die Chancen, schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Denn mit dieser persönlich wie beruflich bereichernden Zusatzqualifikation zeigen Auszubildende ihr Engagement und ihre Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen. Wie aber kann man ein Auslandspraktikum absolvieren?

Das Berufsbildungsgesetz aus dem Jahr 2005 hat es Auszubildenden leichter gemacht, einen Teil ihrer Berufsausbildung auch im Ausland zu absolvieren. Konkret heißt es im BBiG § 2 Abs. 3: „Teile der Berufsausbildung können im Ausland durchgeführt werden, wenn dies dem Ausbildungsziel dient. Ihre Gesamtdauer soll ein Viertel der in der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsdauer nicht überschreiten.“

 

Im Falle einer dreijährigen Berufsausbildung können Auszubildende und Lehrlinge also ein Auslandspraktikum von bis zu neun Monaten absolvieren. Hinsichtlich der Organisation und Finanzierung gilt es natürlich, einige Hürden zu meistern. Die folgenden Informationen sollen daher einen Überblick und wichtige Hinweise zum Thema Auslandsaufenthalt während der Berufsausbildung geben.

 

Vertragliches

Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass sich der Ausbildungsbetrieb und der Auszubildende über einen Auslandsaufenthalt einigen. Manche Unternehmen bieten diese Art der Zusatzqualifikation von vornherein an, andere hingegen müssen erst überzeugt werden. Das Ausbildungspraktikum wird dann im Ausbildungsvertrag mit Angabe der Dauer als Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte geregelt. Dies kann bereits vor Ausbildungsbeginn, aber auch während der Ausbildungszeit erfolgen. In jedem Fall muss es an die zuständige Stelle der IHK bzw. HWK gemeldet werden, bei der das Ausbildungsverhältnis registriert ist.

 

Damit das Auslandspraktikum auch als Teil der Berufsausbildung anerkannt wird, muss weiterhin sichergestellt sein, dass die im Ausland vermittelten Inhalte im Wesentlichen den hierzulande im Ausbildungsrahmenplan festgelegten Inhalten entsprechen. Für länger als vier Wochen dauernde Auslandsaufenthalte muss daher zusammen mit dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen IHK bzw. HWK ein Ausbildungsplan vereinbart werden, in dem für die Ausbildung im Ausland konkrete Bildungsziele formuliert werden. Unabhängig davon empfiehlt es sich generell, einen Vertrag zwischen dem Auszubildenden sowie dem Ausbildungsbetrieb und dem aufnehmenden Betrieb im Gastland abzuschließen, der die Rechte und Pflichten der Vertragspartner sowie die zu vermittelnden Ausbildungsinhalte regelt. Einen entsprechenden Mustervertrag stellt die gemeinsame Projektseite der DIHK und ZWH Mobilitaetscoach.de zur Verfügung.

 

Organisation und Finanzierung

Für gewöhnlich organisiert der Ausbildungsbetrieb oder die Berufsschule das Auslandspraktikum für einen bestimmten Jahrgang. Wem dies als Auszubildenden bzw. Lehrling jedoch nicht ausdrücklich angeboten wird, der kann sich selbst – nach Rücksprache mit seinem Ausbildungsbetrieb – zum Beispiel für eines der Pool-Projekte aus dem EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci bewerben. Diese werden von verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und Institutionen getragen und sehr unterschiedlich gestaltet. Manche Organisationen bieten etwa im Rahmen internationaler Austauschprojekte Gruppenreisen an, für die sich Auszubildende aus der ganzen Bundesrepublik individuell bewerben können. Andere Vereine unterstützen Auszubildende bestimmter Berufsgruppen finanziell und organisatorisch bei der Suche nach einem Aufnahmebetrieb im gewünschten Gastland. Informationen zu den einzelnen Pool-Projekten erhalten Interessierte direkt vom jeweiligen Träger, an den sie auch die erforderlichen Bewerbungsunterlagen senden. Eine Datenbank mit allen aktuell laufenden Leonardo da Vinci Pool-Projekten kann unter http://www.na-bibb.de/leonardo_da_vinci/mobilitaet/pool_projektsuche.html durchsucht werden.

 

Das Förderprogramm Leonardo da Vinci richtet sich mit seinen Pool-Projekten an Auszubildende, die sich – unabhängig vom Alter – in ihrer ersten Berufsausbildung befinden oder diese abgeschlossen haben. Wird der bei der gewählten Organisation eingereichte Förderantrag bewilligt, werden die Kosten für die Vorbereitung, die An- und Abreise sowie für die Unterkunft und Verpflegung bezuschusst. Die Höhe des Stipendiums richtet sich hierbei nach dem Gastland und der Dauer des Auslandspraktikums. Letztere muss mindestens 3 Wochen und kann maximal 9 Monate betragen. Wer schon im Vorfeld wissen will, welchen Zuschussbetrag er im Falle einer Bewilligung erhalten würde, findet auf der Website des Bundesinstituts für Berufsbildung den sogenannten Mobilitätsrechner.

 

Wichtig zu wissen ist, dass die finanzielle Förderung durch das Leonardo da Vinci Programm die gesamten Kosten für das Auslandspraktikum nie zu 100 Prozent deckt, so dass Auszubildende einen Teil aus eigener Tasche zahlen müssen. Übrigens: Während des Aufenthalts im Ausland besteht für den Ausbildungsbetrieb weiterhin die Pflicht, die vertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütung zu zahlen. Dauert das Auslandspraktikum länger, kann auch vereinbart werden, dass sich der aufnehmende Betrieb an der Vergütung beteiligt.

 

Weitere Förderprogramme finden Interessierte auch auf folgenden Seiten:

http://www.letsgo-handwerk.de/

http://www.letsgoazubi.de/.

 

Wichtig für Azubis – Schritt für Schritt zum Auslandspraktikum

 

 

  • Der wohl günstigste Zeitpunkt für ein mehrmonatiges Auslandspraktikum ist das 2. Lehrjahr, da die Auszubildenden und Lehrlinge dann bereits über einige fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen und sich noch nicht in der Vorbereitungsphase für die Abschlussprüfungen befinden.

 

  • Für ein Auslandspraktikum während der Berufsausbildung ist natürlich die wichtigste Voraussetzung, einen geeigneten Betrieb im gewünschten Gastland zu finden. Wenn weder Ausbildungsbetrieb noch Berufsschule solche Auslandsaufenthalte organisieren, können sich interessierte Auszubildende an der zuständige Mobilitätsberater der Kammern und den EURES-Berater in der Agentur für Arbeit wenden. Hilfe können auch die Auslandshandelskammern, Berufsverbände oder die Gemeinde über ihre Städtepartnerschaften bieten.

 

  • Für die Dauer des Auslandspraktikums muss der Auszubildende eine Beurlaubung von der Berufsschule beantragen. Eine Freistellung von bis zu drei Wochen ist hierbei unkompliziert möglich. Wessen berufliches Auslandspraktikum allerdings länger dauert, muss für eine Beurlaubung zunächst die Zustimmung seines Ausbildungsbetriebes, der Berufsschule und der zuständigen Kammer einholen. Auch während seiner Zeit im Ausland braucht er keine vergleichbare Berufsschule zu besuchen. Er ist jedoch dazu verpflichtet, den in dieser Zeit versäumten Ausbildungsstoff eigenständig nachzuarbeiten. Um dies gerade bei mehrmonatigen Auslandsaufenthalten zu erleichtern, können mit der Berufsschule etwa E-Learning-Maßnahmen vereinbart werden.

 

  • Im Vorfeld muss zusammen mit der Krankenkasse abgeklärt werden, ob im jeweiligen Gastland der soziale Versicherungsschutz bestehen bleibt. Da der Ausbildungsvertrag auch während dieser Zeit gültig ist, genießen Auszubildende in den Ländern der EU weiterhin im vollen Umfang den Schutz der Renten-, Arbeitslosen-, Unfall-, Kranken- und Pflegeversicherung im Sinne der deutschen Rechtsvorschriften. Wer in einem der europäischen Länder sein Auslandspraktikum absolvieren will, muss bei seiner Krankenkasse das Formular E 101 einreichen, das als Nachweis über den Versicherungsschutz dient. Der Antrag kann auf der Website der Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland hier heruntergeladen werden.
    In Ländern außerhalb der Europäischen Union richtet sich der Umfang des Versicherungsschutzes danach, ob ein entsprechendes Abkommen mit Deutschland beschlossen wurde. Ist dies nicht der Fall, entscheiden die Rechtsvorschriften des jeweiligen Landes über den Versicherungsschutz. Informationen hierüber können Sie direkt bei der DVKA einholen.
    Schließlich wird empfohlen, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da im Krankheitsfall z.B. der Rücktransport nach Deutschland nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen wird.

 

  • Für ein berufliches Auslandspraktikum werden keine Kenntnisse in der Sprache des jeweiligen Gastlandes vorausgesetzt, nur mit der Brückensprache Englisch sollten die Teilnehmer vertraut sein. In der Regel bieten die Träger im Vorfeld des beruflichen Auslandsaufenthalts auch Vorbereitungskurse an, in denen die Auszubildenden mehr über die Kultur des Gastlandes sowie einige sprachliche Grundkenntnisse vermittelt bekommen.

 

  • Während der beruflichen Ausbildung im Ausland ist der Auszubildende dazu verpflichtet, das Berichtsheft weiter zu führen. Zudem muss es auch bei einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt vom Ausbildungsbetrieb kontrolliert und unterschrieben werden. Wird das Auslandspraktikum in einem Land der Europäischen Union absolviert und mit Fördermitteln finanziert, bekommen Auszubildende und Lehrlinge von ihrer jeweiligen Einrichtung zudem den EuropaPass Mobilität ausgehändigt, in dem sie ihre zuvor vereinbarten Bildungsziele und die im Ausland erworbenen Lernerfahrungen dokumentieren. Neben den beruflichen Fachkenntnissen müssen hierbei auch Sprachkurse bzw. allgemein berufliche Qualifizierungen Bestandteil des Auslandspraktikums sein. Detaillierte Informationen sowie einige Beispiele zum EuroPass Mobilität finden Interessierte auf der offiziellen Website www.europass-info.de. (Quelle: http://www.gutscheinpony.de/magazin/berlin/bildung)

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